Trotz US-Boom: Deutsche Telekom macht weniger Gewinn.

Gewinnrückgang für die Deutsche Telekom: Trotz weniger Profit im zweiten Quartal sieht sich der Konzern dennoch auf gutem Kurs. Die Gründe für den Optimismus: Neben dem Boom in den USA sorgt hierz...

Die Deutsche Telekom sieht sich ungeachtet weiter auf gutem Kurs. Für das Management um Chef Tim Höttges ist der trotz des Booms in den USA sinkende Überschuss kein Grund zur Sorge: Der Gewinn des Konzerns ging insgesamt um 12,8 Prozent auf 621 Millionen Euro zurück. Die ambitionierten Wachstumsziele haben die Bonner nach eigenen Aussagen weiter fest im Visier. Die Lichtblicke aus Sicht der Telekom: Neben dem kräftigen Aufwind in den USA ist das vor allem das Breitbandgeschäft in Deutschland.

Zum ersten Mal seit der Liberalisierung des Telekommarktes 1998 seien die Serviceumsätze im Festnetzgeschäft in Deutschland in einem Quartal nicht gesunken, sagte Höttges. Getrieben war das Abschneiden insbesondere von gebündelten Angeboten aus schnellem Internet und Fernsehen, die die Telekom derzeit an die Kundschaft bringt. Die Umsätze mit Breitbandkunden - also ab DSL bis rauf zu Vectoring- und Glasfasersanschlüssen und inklusive Fernsehangeboten - kletterten im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 1,8 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

Höttges führte das Abschneiden auf die erneut gestiegenen Investitionen in den Ausbau der Netze zurück. Mehr und mehr Anschlüsse basieren demnach zumindest in Teilen auf Glasfasertechnik. Mit der Zahl der neuen Breitbandkunden will die Telekom sich noch nicht zufrieden geben. Im laufenden Jahr sollen es mehr werden als im Vorjahr. Zudem soll der Marktanteil bei neuen Breitbandverträgen zulegen. Zuletzt lag er nur bei einem Fünftel, sagte Höttges.

Der Gewinn des Konzerns schrumpfte, weil die Telekom mehr für die Netze und in den USA vermietete Endgeräte abschrieb als vor einem Jahr. Umsatz und operatives Ergebnis kletterten dank des Kundenzustroms bei T-Mobile US im zweiten Quartal aber weiter kräftiger als
bei den meisten großen Konkurrenten.

Die Quartalszahlen beunruhigen die Anleger nicht: Die T-Aktie lag am Mittag mit knapp einem halben Prozent im Plus. Der für die Dividendenzahlung wichtige und damit am Kapitalmarkt viel beachtete Geldzufluss (Free Cashflow) ging zwar im Quartal um 4 Prozent auf 1,32 Milliarden Euro zurück. Allerdings hatten sich im Vorjahr ein Sondereffekt aus einer Vergleichszahlung sowie die Dividende des inzwischen verkauften britischen Mobilfunkgeschäfts positiv ausgewirkt. Bereinigt um diese beiden Effekte wäre fast ein Fünftel mehr Geld in die Kasse geflossen, rechnete Finanzchef Thomas Dannenfeldt vor.

Der Konzernerlös stieg im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum allein wegen des brummenden US-Geschäfts um 2,2 Prozent auf 17,8 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 8,6 Prozent auf 5,46 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis fiel etwas besser aus als von Analysten erwartet, unter anderem war das Deutschlandgeschäft
profitabler als von Analysten gedacht.

Zusätzlich profitierte die Telekom von einem Buchungseffekt in den USA: Weil die Kunden seit vergangenem Jahr Smartphones und Tablets auch mieten können, um sie einmal im Jahr in neue Geräte tauschen zu können, bleiben die betreffenden Geräte im Besitz von T-Mobile US. Der Kostenaufwand für die Geräte reduziert sich, die Abschreibungen steigen - das bläht das operative Ergebnis auf. Die US-Mobilfunksparte, der mittlerweile größte Konzernteil, hatte bereits seine Zahlen vorgelegt und weiter mit starkem Wachstum geglänzt.

Im Heimatmarkt ging der Umsatz insgesamt um mehr als 3 Prozent zurück. Auch die Erlöse durch den Mobilfunkservice schrumpften um 0,8 Prozent. Die Telekom führt den Druck auf die Mobilfunkpreise unter anderem auf die sinkenden Roaminggebühren zurück, aber auch auf Rabatte für die Komplettpakete aus Internet, Fernsehen und Mobilfunk. Letztere werden auf den Mobilfunkumsatz angerechnet werden.

Das Europageschäft kommt unter anderem wegen der schwächelnden Mobilfunktochter in den Niederlanden nicht so recht auf die Füße. Womöglich kann der Anfang 2017 startende künftige Spartenchef Srini Gopalan aber auf Schützenhilfe durch Zukäufe setzen: Nach Auflage der EU-Kommission Vodafone muss seine seine Festnetzsparte in den Niederlanden abgeben - der Telekom-Rivale will sein dortigen Geschäfte mit dem Kabelkonzern Liberty Global zusammenlegen. Für die Bonner ist das eine Chance weiter zu wachsen. (dpa)

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